23.11.2010 - 1-Euro-Jobs in Bielefeld. Wettbewerbsneutral und im öffentlichen Interesse.
Um negative Effekte von Arbeitsgelegenheiten auszuschließen, hat die Arbeitplus in Bielefeld bereits im Jahr 2005 mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft und des DGB eine Prüfkommission gegründet. Das Gremium muss jeder einzelnen Arbeitsgelegenheit zustimmen. Gibt es Überschneidungen mit regulären Arbeitsplätzen, ist die Bewilligung ausgeschlossen. Dafür setzen sich die Mitglieder detailliert mit allen beantragten Einsatzmöglichkeiten auseinander – im Zweifelsfall findet ein Besuch des Trägers statt, der einen 1-Euro-Job anbieten möchte. Außerdem wird die Personalvertretung des Trägers in das Prüfverfahren eingebunden. Stimmt sie nicht zu, erfolgt auch keine Bewilligung. Ein Missbrauch von Arbeitsgelegenheiten wie ihn der Bundesrechnungshof aufgrund seiner Erhebungen im Jahre 2008 bundesweit bescheinigt, kann so in Bielefeld nicht stattfinden.
Der Bundesrechnungshof kritisiert außerdem, dass nur wenige Personen nach Teilnahme an einem 1-Euro-Job eine Arbeit aufnehmen. Diese geringen Integrationserfolge verwundern Jochen Hanke, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitplus, mit Blick auf die Praxis in Bielefeld nicht. „Arbeitsgelegenheiten sind kein Instrument zur Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt. Sie sind aber sehr gut geeignet, um Menschen mit großen Vermittlungshemmnissen wieder an Arbeit heran zu führen. Der 1-Euro-Job ist in Bielefeld die erste Stufe und nicht der letzte Schritt zur Integration.“ Wären die Vermittlungen in Arbeit zahlreicher, läge der Schluss nahe, dass die Arbeitsgelegenheiten mit den falschen – arbeitsmarktnahen – Kunden besetzt worden seien.
Dass 1-Euro-Jobs nur nach genauer Prüfung zugelassen werden, zeigt sich auch an ihrer geringen Zahl. Für die Arbeitplus sind sie nur eins von vielen Arbeitsmarktinstrumenten. Bielefeld bildet bei den angebotenen Arbeitsgelegenheiten gemessen an der Zahl der erwerbsfähigen Arbeitslosengeld II Bezieher in NRW beinahe das Schlusslicht. Zwischen 450 und 500 Personen nehmen gleichzeitig an Arbeitsgelegenheiten teil. Von 23.000 erwerbsfähigen Arbeitslosengeld II Beziehern erhalten monatlich 50 einen Platz. Dies sind lediglich 1,8%.
Wie Arbeitsgelegenheiten Langzeitarbeitslosen eine Perspektive bieten können, zeigt das Beispiel der Bielefelder Heilsarmee: Im neugegründeten Cafe "Open Heart" in der Siegfriedstraße unterstützen zwölf „1-Euro-Jobber“ die Heilsarmee in ihrem Engagement für hilfebedürftige Menschen in Bielefeld. Die Teilnahmeplätze sind sehr begehrt. Die 1-Euro-Jobber bieten bedürftigen Menschen an 5 Tagen die Woche Frühstück, warmes Essen, freizeitpädagogische Angebote, eine Lebensmittelausgabe und viel Gemeinschaft an. Besucht wird das „Open Heart“ von Bedürftigen, denen das Cafe als Anlauf- und Beratungsstelle dient.
Arbeitsplätze wurden durch die Arbeitsgelegenheiten nicht vernichtet, im Gegenteil: eine Teilzeitstelle und ein Minijob wurden zusätzlich geschaffen, außerdem immer wieder Honorarkräfte beschäftigt. „Uns ist es wichtig die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Arbeitsgelegenheiten zu motivieren, zu aktivieren und sie persönlich zu begleiten“, beschreibt Michael Geymeier die Motivation der Bielefelder Heilsarmee.
